Die Lebensstellung!

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    • Die Lebensstellung!

      Nachdem ich in meiner alten Firma aufhören musste, weil die Söhne der Inhaber in das Bestattungsunternehmen eintraten, war ich das erste Mal in meinem Leben arbeitslos. Schon in der ersten Woche bekam ich ein Schreiben vom Arbeitsamt, ein Bewerbungskurs stand an. Drei Wochen sollte er dauern, es war 1986 ein sehr kalter Winter und bitter kalt. Da ich noch nicht über einen Führerschein verfügte, musste ich dort zu Fuß hin. Über den Kurs gibt es nicht viel zu berichten, er war genauso sinn frei wie dreißig Jahre später. Aber man wurde im Arbeitsamt noch freundlich behandelt, bei einem Termin bot mir die Dame einen Job als Sicherheits Posten bei der Bahn an. Das sind die Leute, die ein Warnsignal geben, um die Arbeitskolonen auf den Schienen zu warnen. Da ist jemand kurzfristig ausgefallen! Auf meine Frage ob der Mann erkrankt sei, wurde die Dame vom Arbeitsamt verlegen. Nun ja sagte sie, er ist gestolpert, und hat es nicht geschafft wieder auf zu stehen. Ich konnte mir aufgrund meiner beruflichen Erfahrung vorstellen, wie er wohl ausgesehen hatte, und lehnte den Job ab. Jetzt konnte ich nur noch zweimal ablehnen, dann würden sie mich ans Kreuz tackern. Ein paar Wochen später kam dann das nächste Angebot. Es wurde jemand in einem Vermessungstrupp des Kreises gesucht. Na dachte ich, ist ja besser, als in einem Transportsarg als Gulasch zu landen, und nahm den Job an. Es war ein öder Job, den ganzen Tag mit dem Maßband hantieren und Löcher auf und zu machen. Aber es war besser als nichts, was mir Sorgen bereitete, war das mir die Zeit weglief. Die ABM Maßnahme würde bald vorbei sein, dann noch ein paar Monate Arbeitslosengeld, und dann würde man Sozialhilfe beantragen müssen. Bis zur genialen Weiterentwicklung durch die SPD, die Jahrzehnte später stattfand, nannte man das so. Eines Tages klingelte das Telefon, es war Volker, den ich vom Friedhof kannte. Er hatte in das zweitgrößte Bestattungsunternehmen in der Stadt eingeheiratet, und suchte nun eine Aushilfe. Ich hatte bald meinen ersten Einsatz, und es ließ sich gut an, wir hatten uns früher gut verstanden, und halfen uns bei den Trauerfeiern. Die ABM Maßnahme war nun ausgelaufen, und ich war froh diesen öden Job los zu sein, auf der anderen Seite blickte ich immer besorgter in die Zukunft. Eines Tages rief mich Volkers Schwiegermutter an, und rief mich zu einem Einsatz. Sie sagte das Volker jemanden suchte, zur Festeinstellung, man hatte aufgrund der guten Erfahrungen mit mir man mich gedacht. Nachdem wir einen Termin gemacht hatten, einige Zeit später, war es einfach. Man unterhielt sich ein wenig, und die Einstellung war perfekt! Bei mir hast du eine Lebensstellung, meinte er noch. Ich musste mich komplett umstellen, war bei meinem vorherigen Arbeitgeber selbständiges Handeln unerwünscht, so war es bei Volker umgekehrt. Ich musste die Werkstatt und das Sarglager in eigener Regie führen, so wie alle anderen Aufgaben, die so anfielen. In den ersten Jahren stellte ich fest, dass Volker zu Wutausbrüchen neigte, wenn es nicht so lief wie er sich es vorstellte. Das bekamen die Mitarbeiter aus dem anderen Geschäftsbereich besonders stark zu spüren. Wenn sie mit ihren Autos zum Schichtwechsel abends rein kamen, konnte man ihn bis auf die Straße hören. Jedem in der Firma wurde schon mindestens einmal mit Kündigung gedroht. Er war auf seine Rolle als Chef auch nie vorbereitet worden, auch für mich war es nicht immer angenehm, mit ihm zu arbeiten. So hatte er zum Thema Zeitabläufe für bestimmte Tätigkeiten völlig verquaste Ansichten, die er mit absoluter Ignoranz bar jedes logischen Arguments vertrat. Als ich es schaffte, in seinem Sinne immer mehr seinen Ansprüchen zu genügen, wurde es besser. Es war eine harte Zeit, es ist schon ein großer Unterschied, wenn man früher jeden Handschlag vorgebetet bekam. Was aber nicht an mir lag, sondern mein alter Arbeitgeber hatte früher eine große Tischlerei, und kannte es nicht anders. Im Rahmen der Kollegen Hilfe dekorierten wir die Kapelle fur eine Beerdigung. Volker schickte mich wie üblich alleine hin, er meinte das nicht viele Blumenspenden kommen würden. Vierzig Kränze und genauso viele Schalen und Gebinde, Sträuße und so weiter kamen an diesem Tag! Wenn ich jetzt bei Volker angerufen hätte, um ihn zur Hilfe zu holen, hätte ich mir was anhören können!!! Also Zähne zusammen und durch. Mit den Jahren wurde ich so schnell, das ich Zeit hatte, im Café gegenüber dem Friedhof noch ein Stück Torte zu essen. Volker war vom Bau, und war einfach gestrickt. Er stellte mir irgendwann eine Fangfrage. Sag mal Josef, gehst du eigentlich bei der Arbeit auch manchmal in das Café? Ich sagte, wie da ist ein Café? Es war allerdings eher spaßig gemeint, er hätte auch als Holzfäller nach Kanada gehen können. Im Laufe der Zeit verschoben sich seine Interessen, er hatte einen dritten Geschäftszweig eröffnet. Wie sich später heraus stellte, brachte dieses Geschäftsmodell zunächst viel Geld ein, nach etwa eineinhalb Jahren kostete es aber nur noch Geld. Die nicht verkaufte Ware stapelte sich im eigens dafür angemieteten Lager, so dass auch bald mein Arbeitsplatz sich immer mehr mit Kartons füllte. Es war der Anfang vom Ende, er war kaum noch im Büro, ein Mitarbeiter musste die Gespräche mit den Trauernden führen. Das Siechtum des Unternehmens zog sich lange hin, und ich wurde oft nur für meine Anwesenheit bezahlt. Das ich nicht eher entlassen wurde, habe ich wahrscheinlich der Tatsache zu verdanken, dass er sich vor den Konkurrenz Unternehmen keine Blöße geben wollte. Als er sich gar keinen anderen Mitarbeiter für das Bestattungsunternehmen mehr leisten konnte, musste ich mich ins Büro setzen. Weil so wenig los war, konnte ich mit dieser neuen Arbeit gut fertig werden. Es fand nämlich keine Einarbeitung statt, als Leute vor der Tür standen wegen eines Sterbefalls, hatte er mal wieder unheimlich wichtiges zu tun, und schickte mich einfach ins Büro. Irgendwie habe ich es ganz gut hinbekommen, ich hatte aber einen Kopf wie eine Tomate. Eines Tages, er war mal wieder nicht da, bin ich zu einem Haussterbefall alleine gefahren, weil von den Aushilfen niemand erreichbar war. Das kann man als seriöses Unternehmen nicht machen, aber was sollte ich tun? Es ging dann noch einige Monate so dahin, bis eines Tages mein Dienst Handy klingelte, und er mich zu sich ins Büro rief. Lapidar teilte er mir mit, das er den Betrieb verkauft habe, und der Käufer keinen Mitarbeiter mehr benötige. Jetzt hatte ich noch ein paar Monate Arbeit, dann würde die Suche wieder von vorne los gehen. So kurz kann eine Lebensstellung sein.

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    • Ich habe mich durch die Geschichte gekämpft(Absätze und so).
      An sich eine nette Geschichte, doch verstehe ich nicht, was du uns damit sagen willst. Das eine Stelle beim Verkauf das Unternehmens nicht aufrecht erhalten werden kann, ist nicht ungewöhnlich.
      Ebenfalls fehlt mir eine Zeitangabe: War es denn z.b. 1991(nach 5 jahren) oder erst jetzt vorbei? Dann wären es immerhin 30Jahre gewesen und damit deutlich mehr, als die Hälfte eines Arbeitslebens.

      Gruß, Kormi